Autorität: Frauen sind skeptischer als Männer

Autorität: Frauen sind skeptischer als Männer

Autorität: Frauen sind skeptischer als Männer 1220 813 Randolf Jessl

Was ist Autorität, wie erkennt man sie, wie erlangt und verliert man sie? Das sind Fragen, die wir mit unserer Studie „Wem folgt Deutschland?“ beantworten wollen. Uns erreichen dazu Fragen und Anmerkungen. Mit diesen setzen wir uns in loser Folge auseinander. Heute: Gibt es Geschlechterunterschiede in der Wahrnehmung von Autorität?

Fast wäre uns dieser wichtige Aspekt durchgerutscht – und das, obwohl wir mit vielen weiblichen Führungskräften und Thought Leadern arbeiten. Der erste Blick auf die Daten legte jedenfalls keine übermäßigen Unterschiede in der Wahrnehmung von Autorität zwischen Frauen und Männern nahe.

Dann aber fiel uns der lesenswerte Aufsatzband „Wie männlich ist Autorität?“ von Hilge Landweer, Philosophieprofessorin an der Freien Universität Berlin, und Catherine Newmark, Kulturjournalistin und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der FU, in die Hände (Landweer, H., Newmark, C.: Wie männlich ist Autorität? Feministische Kritik und Aneignung, Frankfurt am Main 2018). Wir blickten daraufhin noch einmal tiefer in unseren Daten.

Frauen sehen Autorität negativer als Männer

Und siehe da: Es gibt signifikante Unterschiede. Sie zeigen sich vor allem darin, was Männer und Frauen mit dem Begriff „Autorität“ verbinden. Dass dieser Begriff polarisiert, ergab schon unsere Durchschnittsbetrachtung. Eine Mehrheit von 55 Prozent verbindet mit ihm positive Gefühle, eine Minderheit von 20 Prozent aber stoßen die Vorstellungen rund um Autorität geradezu ab.

Zustimmung und Ablehnung von Autorität, Auctority 2018

Zustimmung und Ablehnung von Autorität, Studie „Wem folgt Deutschland?“, Auctority 2018

Hinter den Durchschnittswerten verbirgt sich nun eine nicht unerhebliche Differenz in der Wahrnehmung zwischen den Geschlechtern. Während 58 Prozent der Männer Autorität positiv gegenüberstehen, gilt das nur für 52 Prozent der Frauen. Am anderen Ende der Skala zeigt sich das inverse Bild. Mehr Frauen als Männer stehen Autorität negativ gegenüber.

Positive und negative Gefühle gegenüber Autorität, Auctority 2018

Positive und negative Gefühle gegenüber Autorität, Studie „Wem folgt Deutschland?“, Auctority 2018

Interessant demgegenüber ist aber die Wahrnehmung des Begriffs „autoritär“. Hier unterscheiden sich die Geschlechter in ihren überwiegend negativen Assoziationen kaum.

Positive und negative Gefühle beim Begriff "autoritär", Auctority 2018

Positive und negative Gefühle gegenüber dem Begriff „autoritär“, Studie „Wem folgt Deutschland?“, Auctority 2018

 

Frauen verbinden Autorität mit Rang und Stellung

Was also könnte hinter diesen Befunden stecken? Hier geben uns Aspekte von Autorität Aufschluss, die von Männern und Frauen signifikant unterschiedlich beurteilt werden. So

  • assoziieren Frauen mit dem Begriff Autorität tendenziell mehr Rang und Stellung als Männer (86 zu 79%)¸
  • stimmen Frauen deutlich seltener der Aussage zu “Eine Autorität ist man nur, wenn man besondere Leistungen vorweist“ als Männer (41 zu 51%)

Vor allem aber führen Frauen Autorität deutlich weniger auf Wissen und Erfahrung zurück als Männer.

Wissen und Erfahrung als Basis von Autorität, Auctority 2018

Wissen und Erfahrung als Basis von Autorität, Studie „Wem folgt Deutschland“, Auctority 2018

Zeigt sich hier, dass Autorität, die sich in Titeln, Ämtern und Positionen in einer Hierarchie ausdrückt, immer noch eine Männerdomäne ist? Artikuliert sich hier die erlebte Realität von Frauen, dass die sprichwörtliche Glasdecke zu eben jenen Positionen nicht mit Wissen, Erfahrung und Leistung zu durchbrechen ist?

Sachautorität und Substanz bringen den Durchbruch

Wir meinen ja. Wir sehen aber Licht am Horizont. Denn, wie mehrfach auf diesem Blog dargelegt, sind Substanz und Sachautorität zunehmend der Schlüssel, um Vertrauen und Gefolgschaft bei Menschen zu gewinnen.

Beides braucht es, wenn Menschen in Führung gehen und die freiwillige Gefolgschaft anderer Menschen gewinnen müssen. So tragen Substanz und Sachautorität in der Kommunikation wesentlich dazu bei, dass Menschen bereit sind, Inhalten anderer zu folgen und ihren Botschaften zu vertrauen. Aber auch in der Führungsbeziehung in Organisationen und Netzwerken, wo Menschen anderen Menschen dann gern und freiwillig folgen, wenn sie von diesen lernen, mit diesen etwas erreichen und verändern können, gewinnen Substanz und Sachautorität an Gewicht.

Was zu tun ist

Unser Ziel jedenfalls bleibt es, in der Arbeit mit unseren Kundinnen und Kunden, dieser Art von Autorität, der man gerne und freiwillig folgt, die auf Wissen, Erfahrung und Haltung statt auf Rang und Status basiert, zum Durchbruch zu verhelfen. Und dabei haben wir auch gläserne Decken im Blick, die wir gerne zu durchstoßen helfen.

 

Die Studie schicken wir Ihnen gerne per Post zu. Eine Mitteilung auf unserer Kontaktseite oder eine Mail an connect(at)auctority.net mit vollständiger Adressangabe genügen. Weiterführende Ergebnisse unserer Studie mit Blick auf Führungsfragen und Kommunikationspraktiken präsentieren wir Ihnen gerne im Rahmen eines Vortrags oder Seminars.

Ausführungen zu diesem Thema finden sich auch in unserer Veröffentlichung: Jessl, R., Scheuermann, A., Reimund, W.: Freiwillig folgen. In: Personalmagazin 12/201, S. 44-49.

Fragen und Rückmeldungen zur Studie beantworten wir fortlaufend auch in unserem Blog. Diese Beiträge sind bereits erschienen:

 

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Foto: Brooke Lark on unsplash

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