Vier Arten von Autorität: Welche darf’s denn sein?

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Vier Arten von Autorität: Welche darf’s denn sein?

Vier Arten von Autorität: Welche darf’s denn sein? 1222 712 Randolf Jessl

Bei unseren Gesprächen über Autorität merken wir immer wieder: Jeder versteht etwas anderes unter dem Begriff. Auch in Texten zum Thema geht es oft munter durcheinander. Deshalb wollen wir hier vier Bedeutungszusammenhänge vorstellen, auf die wir immer wieder stoßen. Und noch einmal deutlich machen, welcher von ihnen wir anhängen.

Was alle vier Lesarten verbindet, ist die Annahme, dass „Autorität“ jemanden in die Lage versetzt, Einfluss auf andere zu nehmen. „Hat frau oder man Autorität“ oder „ist frau oder man eine Autorität“ (auch diese beiden Formulierungen sind von Bedeutung!), kann man andere dazu bewegen, den eigenen Gedanken, Vorstellungen, Ideen, Weisungen zu folgen. Autorität ermöglicht es daher „Gefolgschaft“ herzustellen.

Vier dominante Lesarten von Autorität

Wie dies geschieht, dazu gibt es aus unserer Sicht vier dominante Vorstellungswelten, die alle mit dem Begriff „Autorität“ verbunden sind:

  1. Eine „natürliche Autorität“, bei der Einfluss und Gefolgschaft irgendwie von Eigenschaften einer Person und ihrem Verhalten herzurühren scheinen. Manche sprechen hier auch von Charisma.
  2. Eine „funktionale Autorität“, bei der Einfluss und Gefolgschaft sich an formalen Ämtern, Titeln und der Rangstellung in Hierarchien festmachen. Trumpf ist hier eine Legitimation der eigenen Autorität durch eine andere formale Autorität.
  3. Eine Form von „aggressiver Autorität“, bei der Einfluss und Gefolgschaft auf Druck, Machtausübung, ja manchmal Gewalt zurückzuführen sind. Verhalten, das gerne als „autoritär“ beschrieben wird und auf bedingungslosen „Gehorsam“ abzielt.
  4. Eine auf Expertise beruhende „epistemische Autorität“, bei der Einfluss und Gefolgschaft auf überlegenem Wissen, Können und Erfahrung beruhen. Hier folgen wir freiwillig, bewusst und gerne, weil wir Orientierung bekommen, uns die Expertise, der wir folgen, Sicherheit gibt, und weil wir lernen und wachsen können.

Wir favorisieren die vierte Lesart und möchten diese Art von Autorität mit unseren Mitteln fördern.

Variante 1 macht uns stutzig und wir tun alles, um mehr über sie zu erfahren – wenn es sie denn überhaupt gibt.

Variante 2 langweilt uns zu Tode, ja ärgert uns in ihrer Selbstgewissheit und Überheblichkeit – wenngleich wir ihre Bedeutung und ihren Nutzen anerkennen.

Variante 3 aber gehört unserer Meinung nach endgültig aus unserem Leben verbannt, selbst wenn in letzter Zeit das Gegenteil der Fall zu sein scheint. Autoritäres Auftreten erntet zunehmend wieder Zuspruch.

Literatur zum Thema

Autorität in Deutschland. Eine Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach. Herbert Quandt-Stiftung 2011

Das Autoritätsverständnis deutscher Topmanager. In: Eugen Buß. Die deutschen Spitzenmanager – Wie sie wurden, was sie sind. Herkunft, Wertvorstellungen, Erfolgsregeln. Oldenbourg Wissenschaftsverlag 2007.

 

Foto: Ronda Darby on unsplash

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