Wenn Leader die Verantwortung scheuen – Kolumne Nr. 17

Wenn Leader die Verantwortung scheuen – Kolumne Nr. 17

Wenn Leader die Verantwortung scheuen – Kolumne Nr. 17 912 588 Randolf Jessl

Ein Forscherteam um den Züricher Verhaltensökonomen Ernst Fehr hat in einer aufwändigen Studie herausgefunden: Verantwortungsscheu („responsibility aversion“) ist weit verbreitet und hindert Menschen, in Führung zu gehen. Was folgt daraus für die Praxis? Randolf sucht in seiner neuen Haufe-Kolumne darauf Antworten.

Zwei Erkenntnisse sind es, die die Züricher Forscher für die Führungsdiskussion parat haben. Erstens: Je unsicherer die Folgen einer Entscheidung sind, desto schwerer fällt es uns, eine Entscheidung zu treffen. Zweitens: Je stärker Entscheidungen andere Menschen betreffen, desto mehr Sicherheit versuchen wir über den Kontext und die Folgen der Entscheidung zu erlangen. Gelingt dies nicht, neigen wir dazu, die Entscheidung an die Betroffenen zu delegieren.

Klingt vernünftig, ist aber ein Hemmnis für viele Führungssituationen, in denen jemand Entscheidungen treffen und die Verantwortung dafür tragen muss. Selbst wenn die Rahmenbedingungen und Effekte nicht klar auf der Hand liegen – was in unserer modernen Welt die Regel ist.

Wie äußert sich „responsibility aversion“?

Hier setzt nun die so genannte „Verantwortungsaversion“ an: Wer viel dieser Aversion in sich hat, scheut Entscheidungen, die er für sich zwar zu treffen bereit wäre, nicht aber, wenn andere davon betroffen sind. Im Umkehrschluss folgt daraus: Führungsschwäche zeigt sich darin, wenn man nur dann Entscheidungen für andere zu treffen bereit ist, wenn ihre Folgen klarer absehbar sind als sie das wären, wenn man für sich selbst entscheiden müsste. Im Volksmund wird solches Führungsverhalten als „zögern, zaudern, absichern“ beschrieben.

Doch Randolf hat Zweifel, ob Verantwortungsscheu prinzipiell von fehlender Führungsstärke zeugt. Er führt dafür folgende Gründe ins Feld:

  • Führen ist mehr als Entscheiden und Verantworten. Auch die Initiative ergreifen und Entscheidungen herbei-führen ist für ihn Führung.
  • Die Latte höher zu hängen, wenn andere von Entscheidungen betroffen sind, scheint ihm prinzipiell klug und geboten.
  • Verantwortungsscheu ist eher eine Einstellungsfrage als eine Charakterfrage, wie die Forscher selbst betonen. Also kann sie reflektiert und „abtrainiert“ werden und muss nicht prinzipiell einer Führungsaufgabe entgegenstehen.

 

Was Randolf sonst noch umtreibt in der Frage, ist in der Kolumne „Der tiefere Grund von Führungsscheu“ nachzulesen.

 

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