Warum Autorität zählt – mehr denn je

Warum Autorität zählt – mehr denn je

Warum Autorität zählt – mehr denn je 760 519 Randolf Jessl

Die Welt verändert sich. Die viel zitierte digitale Transformation, marktwirtschaftliche Disruptionen und soziale Medien stellen Gesellschaft und Wirtschaft auf den Kopf. Wer Dinge in Bewegung und Menschen hinter sich bringen will, muss vorangehen und überzeugen. Das gilt für Einzelpersonen wie für Organisationen. Es braucht Autorität und Autoritäten. Beides gilt es zu befördern.

Von Randolf Jessl und Andreas Scheuermann

Die Veränderungen in Wirtschaft und Gesellschaft, die uns die beschriebenen Trends abverlangen, müssen angestoßen, umgesetzt und durchgesetzt werden. Menschen müssen vorangehen, Orientierung geben, die Dinge in Bewegung bringen, Führung und zugleich Verantwortung übernehmen. Entscheider in Politik und Wirtschaft haben qua Rang und Status dazu den Auftrag. Und sie haben die Macht. Aber haben sie auch die Autorität? Und wenn sie sie nicht haben, wer hat sie dann?

Autorität statt Macht!

Eines ist sicher: Wir brauchen Autorität. Mehr denn je. Was wir nicht brauchen, ist falsche Autorität. Eine, die auf Privilegien, auf plumper Machtausübung, ja auf einem autoritären Charakter beruht. Denn Anweisung und Kontrolle haben ausgedient. Dagegen haben sich Menschen schon immer zur Wehr gesetzt oder sich ihr schlicht entzogen. „Hard Power” gebiert Widerstand, keine Anhänger. Oscar Wilde hat es so formuliert: „Wherever there is a man who exercises authority, there is a man who resists authority.”

„Wherever there is a man who exercises authority, there is a man who resists authority.” – Oscar Wilde

Wir brauchen daher die echte Autorität. Die, von der Cyril N. Parkinson geschrieben hat: „Effective authority is not based on privilege, but on more knowledge, effort and energy”. Vorbild sein, mit besserem Wissen, guten Ideen und Schaffenskraft vorangehen, das führt dazu, dass andere gerne und bestimmt folgen. Doch Autoritäten in diesem Sinne müssen gehört werden und ihre Ideen müssen Anhänger finden. Die Mittel dazu haben sie. Publizieren, Vorträge halten und sich in Netzwerken zu engagieren sind nicht länger mehr das Privileg von Menschen mit Rang und Status. Doch zugleich ist es im medialen Lärm und der Hackordnung von Unternehmen zunehmend schwieriger, gehört zu werden. Auch hier braucht es „knowledge, effort and energy“, um durchzudringen.

„Effective authority is not based on privilege, but on more knowledge, effort and energy”. – Cyril Northcote Parkinson

Zu guter Letzt geht es um mehr, als es die Evangelisten des Selbsmarketings und des „Reputation Managements“ predigen. Es geht darum, Gefolgschaft zu gewinnen. Und zwar in Unternehmen wie in der Öffentlichkeit. Das Wort Gefolgschaft mag altbacken klingen, doch ist es nicht genau derselbe Mechanismus, der in den Sozialen Medien wirkt? Nicht ganz. Wenn es wirklich um etwas geht, dann geht es um mehr als „Follower“, die uns „liken“. Es geht darum, Menschen nicht nur zum „Klicken“, sondern zum tatsächlichen Handeln zu bewegen. Es geht darum, diejenigen Leistungsträger für sich zu gewinnen, die Autoritäten wegen ihres Wissens, ihrer Ideen und ihres Vorbildcharakters anerkennen und ihnen folgen. Durch dick und dünn.

Woher kommt Autorität?

Oft meinte man, Autorität in der Person selbst zu finden, sah sie als Talent, Charakterzug oder Persönlichkeitsmerkmal an. Eine generische Definition von Autorität ist beinahe unmöglich. Zahlreiche Forscher haben nach ihr gesucht. Doch das Autoritäts-Gen wurde bislang nicht entdeckt.

Deshalb scheint Autorität für manche auf einer Funktion, auf Rang und Status zu beruhen. Doch solche Autorität ist meist nichts weiter als Macht in bürokratischer Verkleidung. Zu Recht haben die Römer die potestas begrifflich von der auctoritas unterschieden, die man am besten mit „Würde“, „Ansehen“ oder „Einfluss“ übersetzt. Sie ist eher der reputatio verwandt.

„Autorität hat man nicht, man erwirbt sie sich.“

Wir sind daher überzeugt: Autorität hat man nicht, man erwirbt sie sich. Und zwar in Folge des eigenen Denkens, Sagens und Tuns. Autorität ist eine soziale Funktion, eine Zuweisung seitens derer, die sie anerkennen und ihr folgen. Und sie bezieht gerade daraus, aus dem Vertrauen, Zutrauen und der Zuwendung ihre Wirkungskraft. Gerade deshalb sollten wir dieser echten Autorität zu Geltung verhelfen, wo immer wir es können.

Wie wirkt Autorität?

Wir sehen drei Wirkungskreise der Autorität.

Im innersten wirkt Autorität immer von Person zu Person. Es sind die Ideen eines Menschen, die inspirieren, seine Botschaften, die verfangen, das Vertrauenskapital, das aufgebaut wird. Zieht diese Wirkung Kreise, wird daraus auf Dauer Reputation und „social proof“. Autorität wird zur öffentlichen Angelegenheit, bezieht daraus ihre Legitimation und Stärke. Das überlegene Wissen, die Schaffenskraft und Energie des Einzelnen vermögen dann Organisationen, Debatten und Projekte in Bewegung zu bringen: und zwar besser als es der Appell einer abstrakten Institution oder die Verbreitung einer Idee ohne Urheber je könnte.

In zweiter Instanz wirkt Autorität in Organisationen. Wenn man sie denn lässt. Denn dazu bedarf es einer Kultur, in der Wissen gehoben und geteilt wird, sich Autorität nach Ideen, Tatendrang und Expertise bemisst und nicht nach Rang und Status. Eine Kultur, in der diejenigen mit dem besten Wissen und den besten Ideen in Führung gehen und Bühnen haben, damit sie gehört werden und Anhänger finden. Das allerdings ist noch in wenigen Unternehmen der Fall. Organisationen ohne eine solche „Authority Culture“ verschenken daher das Potenzial, das auf der Eigendynamik und dem Geist der Innovation echter Autoritäten in den eigenen Reihen beruht.

Schließlich wirkt Autorität auf Märkten. Einfache Produktversprechen und aufpolierte Unternehmensmarken schaffen keine belastbaren Beziehungen und keine nachhaltigen Werte. Das vermögen nur Menschen. Ihre Expertise, die erlebbar wird, bildet das glaubwürdige Fundament eines Leistungsversprechens. Auf Märkten, die immer auch Meinungsmärkte sind, zählen daher Originalität, Substanz, Sendungsbewusstsein und Schaffenskraft derjenigen Autoritäten, die hinter der Erschaffung von Produkten und der Erbringung von Leistungen stehen. Hier erst entfalten die viel gepriesenen Instrumente des „Reputation Management“ und „Thought Leadership“ ihre Wirkung. In den USA haben Pioniere dieses Denkansatzes den Begriff des „Authority Marketing“ geprägt.

Wie fördert man Autorität?

Wir sind daher zutiefst überzeugt, dass Autorität, die echte und effektive, gebraucht wird: damit die richtigen Menschen und wertvolle Ideen im Lärm der Zeit und in der Hackordnung unserer Systeme, sei es in Organisationen, am Markt oder in der Öffentlichkeit, durchdringen. Wir laden Sie dazu ein: Diskutieren Sie mit uns, wie das gelingt, und lassen Sie uns praktische Projekte dazu starten! Denn Autorität zählt. In aufgewühlten Zeiten wie diesen mehr denn je.

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Fotohinweis: Billy Rose Theatre Division, The New York Public Library. „Julius Caesar, by William Shakespeare (photo file A)“ The New York Public Library Digital Collections. http://digitalcollections.nypl.org/items/510d47df-03d7-a3d9-e040-e00a18064a99

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