Quo Vadis Wissensarbeit?

Quo Vadis Wissensarbeit?

Quo Vadis Wissensarbeit? 1055 667 Randolf Jessl

Was prägt und was treibt Wissensarbeit? Das fragt der Personaldienstleister Hays aus Mannheim in umfangreich angelegten Studien. Zur jüngsten aus dem Sommer 2020 durfte Randolf als Experte und Interviewpartner beitragen. Die wichtigsten Erkenntnisse und Thesen im Überblick.

Unter dem Titel „Wissensarbeit im Digitalen Wandel. Zwischen Selbstverwirklichung und Selbstausbeutung“ trägt Hays auf 32 Seiten einiges an wichtigen Erkenntnissen zusammen. Den Studienautoren Dr. Andreas Stiehler und Frank Schabel ist es schon lange ein Anliegen, Gegenwart und Zukunft des von Managementikone Peter Drucker erstmals so genannten „knowledge worker“ genauer unter die Lupe zu nehmen. Schließlich hat sich ein Großteil der Wertschöpfung in modernen Unternehmen auf diesen Typus verlagert.

Wissen und Wissensarbeit im Zeichen der Digitalisierung

Zu dieser Bestandsaufnahme besteht aller Anlass: die Änderungen unserer Wirtschafts- und Arbeitswelt im Zuge der Digitalisierung sind tiefgreifend und die Wettbewerbs- und Planungslage auf vernetzten und sich schnell wandelnden Weltmärkten wird zunehmend unübersichtlich. Beides verändert auch, was wir unter Wissen verstehen und welchen Wert wir Wissen beimessen.

Geschickt kombinieren die beiden Studienleiter dabei eine quantitative Online-Befragung von mehr als tausend hoch qualifizierten Fachkräften in Deutschland (darunter 770 angestellte und 272 freiberuflich tätige Wissensarbeiter) mit einer qualitativen Befragung von fünf Experten zum Thema.

Neben Randolf sind das

  • Frank Eilers, Speaker und Podcaster „Arbeitsphilosophen – Die Zukunft der Arbeit“
  • Josephine C. Hofmann, Leiterin Team Zusammenarbeit und Führung, Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO in Stuttgart
  • Dr. Gerald Lembke, Professor für Medienwirtschaft und Medienmanagement und Gründer der Vertiefungsrichtung Digitale Medien mit dem Schwerpunkt „Medienmanagement und Kommunikation“ an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg am Standort Mannheim
  • Dirk Osmetz und Dr. Stefan Kaduk, Musterbrecher® Managementberater, Osmetz + Kaduk Partnerschaft
Neun Thesen zum Status Quo der Wissensarbeit

Die Ergebnisse lassen aufhorchen. Die Autoren fassen sie in neun Aussagen, denen wir weitgehend zustimmen:

  1. Digitaler Wandel dreht sich bislang vor allem um Technologie
  2. Flexible und virtuelle Zusammenarbeit haben sich verbessert
  3. Automatisierung von Routineaufgaben bleibt Kernherausforderung
  4. New Work als Ermächtigung der Mitarbeiter bleibt Lippenbekenntnis
  5. Produktivitätsfortschritte gehen mit Leistungsdruck und steigender Arbeitsbelastung einher
  6. Die undurchschaubare Vuka-Welt (volatil, unsicher, komplex, ambigue) wirkt sich vor allem auf Angestellte und dort besonders Führungskräfte aus
  7. Wer Gestaltungsraum hat, nimmt den digitalen Wandel positiver wahr
  8. Wissensarbeiter setzen vermehrt auf breites Überblickswissen
  9. Freiberufler arbeiten verstärkt an Netzwerken, Angestellte ziehen sich ins Private zurück

Key Findings Hays-Studie 2020, „Wissensarbeit im digitalen Wandel“

Besonders hervorheben möchten wir die Thesen acht und neun. Sie beschreiben Sachverhalte, denen wir in unserer Arbeit mit Menschen aus der Wirtschaft, die sich mit ihrem Wissen, ihren Können und ihren Ideen einen Namen machen und Mitdenker*innen und Mitstreiter*innen finden möchten, durchaus auch begegnen.

Angestellte erkennen den Wert von Netzwerken und Reputationsaufbau

Der Trend sich breiter aufzustellen und mit mehr Überblickswissen zu punkten, ist spürbar. Er wird gerade durch die Vernetzungsinitiativen über Social Media befeuert. Siehe dazu auch Randolfs Einschätzung weiter unten im Beitrag.

Dass gerade Freiberufler auch getrieben von gewissen Marketingerfordernissen konsequenter am eigenen Netzwerk arbeiten, ist ebenso richtig. Allerdings sehen wir mit Freude, dass nicht alle Angestellten sich „ins Private zurückziehen“.

Initiativen in Unternehmen wie „Working Out Loud“, aber auch Marken- und Themenbotschafterprogramme, Barcamps und diverse betriebsübergreifende Zusammenkünfte, um Trends zu diskutieren und Aktivitäten zu starten, zeigen, dass sich auch in den Unternehmen und bei ihren Mitarbeiter*innen ein Bewusstseinswandel vollzieht. Die Akteure erkennen zunehmend, dass Vernetzung und Arbeit an der eigenen Wissensbasis von großem Wert für die Beschäftigten wie die Firma ist. Wir unterstützen solche Aktivitätenmit unseren Mitteln und in unseren Projekten gerne und mit Erfolg.

Die Studie können Sie hier herunterladen.

Sieben Antworten auf zentrale Fragen rund um Wissensarbeit

Im qualitativen Teil der Studie äußert sich Randolf sodann zu einer Reihe von Fragen. Seine wichtigsten Thesen und Einschätzungen hier im Überblick:

  • Wissensarbeit hat in der Fachdebatte und Managerdiskussionen in den letzten Jahren an Bedeutung verloren. Kreativität, „einfach machen“ und Experimente waren angesagt. Gesucht und im Fokus der Aufmerksamkeit waren eher kreative Allrounder als Fachspezialisten.
  • Das ist bedauerlich. Es braucht nämlich mehr denn je Fachexpertise und Sachautorität in guter Balance und Mischung. Auch in Führungspositionen. Unsere Projekte zeigen das immer wieder.

Randolf im Interview: „Denn ohne fachliche Expertise lassen sich keine komplexen Probleme lösen. Auch können Sie ohne eine gewisse Sachautorität anderen Menschen nicht Sicherheit, Orientierung und Vertrauen geben. Sie werden Wissensarbeiter auch nicht erfolgreich führen können, wenn Sie deren fachliche Themen nicht verstehen bzw. nicht selbst über Fachexpertise verfügen.“

  • Wissensarbeiter dürfen nicht den Fachidioten geben und müssen das große Bild im Auge behalten. Das braucht aber interpersonelle Fähigkeiten, also Führungs- und Kollaborationstechniken. Doch daran kann man arbeiten. Auch mit unserer Hilfe.
  • Die Abwertung der Wissensarbeit ging auch einher mit der Aufwertung des „explore“-Modus in Organisationen, wie ihn die Forschung rund um Ambidextrie beschreibt. Doch Firmen brauchen beides: Die Suche nach Innovation im explore-Modus und die Optimierung von Routinen und das Heben von Effizienzen im expolit-Modus. Doch nur wenige befassen sich bislang systematisch mit dieser Herausforderung.
  • Hierarchien werden zunehmend abgebaut und schlechtgeredet. Was sie nicht verdient haben. Richtig und positiv dagegen ist, dass verteilte Führung an Bedeutung gewinnt. Personen übernehmen phasen- oder projektweise die Führung und treten dann wieder zurück ins Glied. Auctority hat dazu einiges an Konzepten und Techniken erarbeitet.
  • Zudem wird Partizipation wichtiger. Selbst in der Strategiearbeit. Denn Firmen brauchen das Wissen, die Ideen und Erfahrungen aller Mitarbeiter. „Strategy Work“ und „Strategy Mobilization“ sind Arbeitsgebiete, denen wir uns in letzter Zeit verstärkt widmen.
  • Zu guter Letzt: Wissensarbeiter müssen sich profilieren, sonst bleiben sie Teil einer grauen Masse austauschbarer Skills. Anregungen hierzu finden sich auf unserem Blog.

Randolf im Interview: „Mein wichtigster Tipp für Wissensarbeiter ist es, sich deutlich zu profilieren – sich also klarzumachen, wo die spezifische eigene Kompetenz liegt und was die eigene Persönlichkeit ausmacht – und dieses Profil dann auch zur Anschauung zu bringen.“

Das Interview können Sie hier online lesen.

Die Aktivitäten von Hays zum Thema verdienen daher größte Anerkennung und es lohnt, der Studienreihe zu folgen.

 

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