Jenseits der Rankings: Wer gilt als Autorität?

Jenseits der Rankings: Wer gilt als Autorität?

Jenseits der Rankings: Wer gilt als Autorität? 1222 595 Randolf Jessl

Was ist Autorität, wie erkennt man sie, wie erlangt und verliert man sie? Das sind Fragen, die wir mit unserer Studie „Wem folgt Deutschland?“ beantworten wollen. Uns erreichen dazu Fragen und Anmerkungen. Mit diesen setzen wir uns in loser Folge auseinander. Heute: Welchen Autoritäten folgen nun die Deutschen?

Auch diese Frage ist berechtigt. Sie war aber nicht Schwerpunkt unserer Erhebung, auch wenn der Titel unserer Veröffentlichung so verstanden werden kann. Rankings gibt es schon genug. Und Influencer aller Schattierungen ermittelt man ohne großen Aufwand über Zitierhäufigkeit, Medienpräsenz, Followerzahlen, Clicks, Likes und Shares.

Doch darum geht es uns in unserer Studie nicht. Wir wollten verstehen, „wie Autorität funktioniert“.

Denn Autorität ist für uns (und auch für die von uns befragten Menschen) das Vermögen, die freiwillige Gefolgschaft anderer zu gewinnen.

Das hat zwei Facetten. Zum einen Gefolgschaft gewinnen in dem, was man sagt und schreibt (also passiv konsumierende Follower gewinnen, zum Beispiel auf Social Media). Das ist die leichtere Übung. Die zweite Facette: Gefolgschaft finden auch in dem, wozu man aufruft (Mitmacher und Mitdenker in Initiativen gewinnen). Das ist die schwerere Übung. Sie grenzt sich damit deutlich von Popularität ab.

Wem die Befragten Autorität zusprachen

Dennoch haben wir Ansatzpunkte ermittelt, welchen Personen und Personentypen die tausend Befragten Autorität zusprechen. Denn wir hatten auch folgende Frage gestellt: „Nennen Sie bitte eine Person, die für Sie herausragende Autorität hat.“

Das waren die Antworten:

  • Am häufigsten wurden Spitzenpolitiker/innen (17 %) und Elder Statesmen (13 %) genannt
  • Als nächstes folgen Angehörige (Mutter, Vater, Tante, Onkel, Partner, Pate) (9%)
  • Hierauf folgen Autokraten, die auch als solche von den Befragten eingestuft werden. Namentlich genannt wurden Putin, Erdogan, Trump (7%)
  • Ebenso häufig genannt wurde der oder die Vorgesetzte (7%)
  • Danach folgt eine Gruppe von Menschen, die wir als Ikonen bezeichnen möchten: darunter der Papst, der Dalai Lama, Mahatma Ghandi, Albert Einstein, Stephen Hawking (6%)
  • Menschen aus dem persönlichen Umfeld wie Lehrer, Vereinsvorsitzender, Therapeut, Pfarrer bilden die nächste Gruppe (4%)
Was uns dabei besonders auffiel

Mit der Nennung von Personen wie diesen hatten wir gerechnet. Doch gab es Erkenntnisse, die uns überraschten. Hier zwei Beispiele.

  • Upper Manager verehren vor allem Ikonen – und nennen als einzige Gruppe unter den von uns Befragten sich selbst als Autorität („Ich“). Zugleich haben sie deutlich seltener als der Durchschnitt Menschen ihres persönlichen Umfelds im Blick, wenn sie darüber nachdenken, wer für sie eine Autorität darstellt.
  • Die Jugend sieht Autoritäten vor allem im Nahbereich, aber auch deutlich öfter als der Durchschnitt in Institutionen (so genannte Amtsautoritäten).
Was wir daraus folgern

Auch wenn die Frage, welche konkrete Personen als Autoritäten gesehen werden, im Sinne der beliebten Rankings von uns nicht beantwortet wird, haben wir in dieser Hinsicht Erkenntnisse gewonnen, die es lohnt im Blick zu behalten.

  • Autorität wird zwar immer noch sehr mit Personen, die „an der Macht sind oder waren“ (Spitzenpolitiker, Elder Statesment), verbunden. Auf der anderen Seite liegt Autorität deutlich im Zugriff von jedermann, wie die häufige Nennung der Angehörigen nahelegt.
  • Zur Autorität positiv eingestellte Menschen haben eher Angehörige und Spitzenpolitiker/Elder Statesmen vor Augen (was beide Gruppen als Kompliment verstehen dürfen). Negativ eingestellte Befragte haben überdurchschnittlich häufig Autokraten und Diktatoren – aber auch den/die Vorgesetzte/n – vor Augen (was für die Vorgesetzten in unserem Land nicht sehr schmeichelhaft ist).
  • Ikonen polarisieren gleichmäßig: Ihre Autorität wird überdurchschnittlich häufig als „sehr positiv“ wie „sehr negativ“ eingestuft.
  • Sachautorität hat – im Gegensatz zu den sonstigen Erkenntnissen unserer Studie – bei der Beantwortung dieser Frage eine untergeordnete Rolle gespielt. Das mag mit unserer Formulierung zu tun haben. Denn die präzise Frage nach der Sachautorität lautet nicht „Wer hat für Sie Autorität?“, sondern „Wer ist für Sie eine Autorität?“.
  • Interessant auch, dass Funktionsträger (Amtsautoritäten) eher selten genannt wurden. Wir werten das als weiteres Indiz dafür, dass Autorität etwas ist, das stärker mit Persönlichkeit als mit einem Amt verbunden wird.

Die Studie schicken wir Ihnen gerne per Post zu. Eine Mitteilung auf unserer Kontaktseite oder eine Mail an connect(at)auctority.net mit vollständiger Adressangabe genügen.

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Fotohinweis: Unsplash

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