Wie wichtig sind Wissen und Erfahrung für die Wahrnehmung als Autorität?

Wie wichtig sind Wissen und Erfahrung für die Wahrnehmung als Autorität?

Wie wichtig sind Wissen und Erfahrung für die Wahrnehmung als Autorität? 1220 813 Randolf Jessl

Was ist Autorität, wie erkennt man sie, wie erlangt und verliert man sie? Das sind Fragen, die wir mit unserer Studie „Wem folgt Deutschland?“ beantworten wollen. Uns erreichen dazu Fragen und Anmerkungen. Mit diesem Aspekt schließen wir unsere kleine Serie: Substanz scheint besonders wichtig – aber wem eigentlich? Und was ist Substanz überhaupt?

Ja, Substanz war das wichtigste Kriterienbündel, anhand dessen die von uns Befragten einer anderen Person Autorität zuschrieben. Unter Substanz hatten wir dabei Wissen, Erfahrung und Kompetenz gefasst.

Die Frage in unserer Online-Erhebung, aus welchen Gründen die tausend befragten Menschen der deutschen Wohnbevölkerung einer Person Autorität zuschreiben, ergab dabei eine deutliche Abstufung:

  • 58 % der Befragten antworteten: „aufgrund der Erfahrung oder des Wissens der Person“
  • 53 % antworteten: „aufgrund der persönlichen Ausstrahlung der Person“
  • 40% antworteten: „aufgrund der Aufgabe bzw. Funktion, die eine Person erfüllt“

Mehrfachnennungen waren möglich.

Unser Praxismodell zu Autorität

Dies erklärt die unterschiedlichen Größen der Dimensionen „Substanz, Habitus und Status“ in unserem Praxismodell. Sie geben die durchschnittliche Gewichtung über alle Befragten an. Dabei kann die Bedeutung, die jede Dimension hat, von Person zu Person durchaus variieren. Für den einen ist Status wichtiger, wenn er Autorität einer Person zuschreibt. Für eine andere wiegt Habitus schwerer, wenn es darum geht, Autorität in anderen zu erkennen.

Nun stellt sich natürlich die Frage, woran man Wissen, Erfahrung und Kompetenz erkennt. Hierzu schürft unsere Erhebung aus dem Jahre 2018 noch nicht tief genug. Deshalb planen wir, dem Aspekt „Substanz“ eine eigene Studie zu widmen.

Erkennungsmerkmale von Substanz

Aus unserer Arbeit, der Beschäftigung mit einschlägiger Literatur und eigenem Erleben aber können wir versichern: Substanz zeigt sich nicht in dem, wie man etwas sagt oder tut (was die Habitus-Dimension umfasst). Sie zeigt sich vielmehr darin, was man sagt oder tut.

Erkennungsmerkmale und Marker von Substanz sind daher

  • Logik
  • Fakten
  • Evidenz
  • Aktualität
  • Plausibilität
  • First Hand Knowledge

in dem, was man schreibt und sagt oder womit man seine Handlungen und Entscheidungen begründet.

Doch wie stehen die Befragten im einzelnen zu „Substanz“ als Bewertungskriterium, ob eine Person Autorität hat oder einen Autorität ist? Hier gibt es ein paar erstaunliche Erkenntnisse.

Frauen gewichten Wissen und Erfahrung geringer als Männer

Die erste haben wir bereits an anderer Stelle thematisiert (Autorität: Warum Frauen skeptischer als Männer sind (auctority.net)). Frauen führen Autorität signifikant seltener auf Wissen und Erfahrung zurück als Männer. Wir vermuten als Grund für die zurückhaltende Beurteilung des Stellenwerts von Wissen und Erfahrung die bittere Erkenntnis von Frauen, dass sie häufig trotz eines Vorsprungs an Wissen und Erfahrung nicht auf Positionen gelangen, die landläufig mit der Wahrnehmung als Autorität verbunden sind.

Chefs gewichten Wissen und Erfahrung hoch

Die zweite Erkenntnis besagt, dass Personen in Führungsverantwortung Substanz, also Wissen und Erfahrung, wesentlich höher gewichten als Personen, die keine formalen Führungsaufgaben wahrnehmen. Dies ließe sich auf zweierlei Art erklären.

Der erste Erklärungsversuch wäre: In vergleichbaren Umfragen erleben wir immer wieder, dass Führungspersonal die eigene Leistung – also mutmaßlich auch die Bedeutung des eigenen Wissens und der eigenen Erfahrung – höher bewerten als ihre Umwelt (siehe auch vergleichbare Erkenntnisse sozialpsychologischer Forschung zu „overconfidence“ oder zur „attribution theory“). Dass man Autorität, die Personen in Führungsverantwortung für sich beanspruchen, daher überdurchschnittlich stark auf Wissen und Erfahrung zurückführt, liegt da nahe.

Der zweite Erklärungsansatz ist dem ersten verwandt, aber kommt ohne den Transfer von sich auf andere aus: Personen in Führungsverantwortung, die durchweg sensibler für Autoritätsfragen sind und in deren Macht es steht, Autorität anderen zu verleihen, tun dies bewusst und reflektiert auf der Basis von Wissen und Erfahrung, die sie an anderen erkennen.

Je höher die Hierarchiestufe, desto wichtiger wird Substanz

Beide Sichtweisen werden durch die dritte Erkenntnis gestützt. Denn je höher in der Hierarchie die von uns befragte Person angesiedelt ist, desto stärker verbindet sie Autorität mit Substanz, also mit einem Vorsprung an Wissen und Erfahrung.

Hochschulabsolventen ist Substanz am wichtigsten

Die vierte und letzte Erkenntnis hängt eng mit den vorigen zusammen. Denn die Verknüpfung von Autorität mit Wissen und Erfahrung korreliert wenig überraschend mit dem Bildungsgrad der Befragten. So messen besonders Befragte mit einem Hochschulabschluss eine Person, der sie Autorität zuschreiben, daran, ob sie Wissen und Erfahrung aufweist.

Warum Expertise und Erfahrung so wichtig sind

Auch wenn es zum komplexen Thema Autorität, wie sie entsteht und wie sie wahrgenommen wird, noch einiges zu untersuchen gibt. Für uns steht fest: Substanz, Kompetenz und Expertise haben dabei eine große Bedeutung. Denn sie sind ein wichtiger Treiber von Vertrauen und ein entscheidender Faktor, um Einfluss und Gefolgschaft zu gewinnen („expert power“) – jenseits von Rang und Status.

Und genau darum geht es uns in unserer Arbeit mit unseren Kunden und für unsere Kunden.

 

Die Studie schicken wir Ihnen gerne per Post zu. Eine Mitteilung auf unserer Kontaktseite oder eine Mail an connect(at)auctority.net mit vollständiger Adressangabe genügen.

 

Weitere Fragen und Rückmeldungen zur Studie haben wir in vorangegangenen Beiträgen beantwortet:

 

Weiterführende Ergebnisse unserer Studie mit Blick auf Führungsfragen und Kommunikationspraktiken präsentieren wir Ihnen gerne im Rahmen eines Vortrags oder Seminars.

 

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Foto: USGS on Unsplash

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